Freitag, 30. September 2011

noch mehr Glesga (das ist Scots)

Der älteste öffentliche Park Europas - oder wenigstens ein Teil davon, er ist ja soooo groß

Das ist der Marktplatz - wenn ihr euch jetzt nach links drehen würdet, könntet ihr Hugh Grant sehen. Pech gehabt :)

Das ist die Necropolis - Die Stadt der Toten -sagen die auch immer in Edinburgh. Da gibt es so Untergrund-Führungen. Ich glaub das ist gruseliger. Tut mir leid, Glasgow.


Das älteste Haus in Glasgow (hier ist alles alt)

Glaschu... (das ist gälisch und bedeutet:)

Glasgow. So habe ich das heute auf einer Karteikarte aus dem 19. Jahrhundert in unserem Hauptkatalog gesehen. Genau das war auch mein Sonntagsziel... also vorletzten Sonntag. Uiuiui.
Ursprünglich wollte ich schon Samstag fahren, aber als ich an besagtem Samstag aus dem Fenster sah, war alles grau und dunkel. Darum hatte ich mich ja auch für das Heilige-Jägermeister-Schloss entschieden. Tja. Da schien dann aber doch die Sonne. Und ich ärgerte mich schwarz.
Am Sonntag war nämlich wesentlich schlechteres Wetter. Es war nicht kalt, aber als der Bus mit mir um halb elf aus Edinburgh los fuhr hatte ich das Gefühl, es sei erst um 7. Ein seltsames Gefühl. Ein Zeichen? Eine Vorahnung? Für mein Empfinden ja. Der Ausflug stand unter keinem guten Stern. Hier sagen immer alle, das Glasgow die lebhaftere Stadt ist. Vielleicht lag es auch daran, dass Sonntag war und in Glasgow ganz einfach weniger Geschäfte aufhaben als in Edinburgh, aber die Stadt erschien mir leer und tot. Das erste was ich sah, waren Hochhäuser, die ganz plötzlich, ohne Vorwarnung aus dem Boden ragten. Dann ging es durch ein Industriegebiet, der Bus bog ab und ich dachte: wer will denn hier aussteigen, ich fahr noch eine Haltestelle weiter. Haha. Hat Glasgow dann gesagt und mir eine lange Nase gemacht. Es war die Endstation. Und ich hatte das Gefühl irgendwo auf einem Industriehof zu stehen. Okay, ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber wenn man Edinburgh gewohnt ist, finde ich das schon eine ziemlich Umstellung. Als ich mich dann auf den Weg in die Stadt machte, habe ich erst einmal total die Orientierung verloren und bin die eine Strasse, die mir irgendwie wie die Hauptgeschäftsstrasse vorkam, bestimmt drei oder vier mal rauf und runter gelaufen. Immer in der Annahme, dass es in dieser Richtung etwas zu sehen gibt. Gab's aber nicht. Tja. Irgendwann entdeckte ich dann doch noch eine Tafel mit einem Stadtplan. Puh.
Die Sehenswürdigkeiten der Stadt liegen ziemlich verstreut Und da es immer noch etwas sehr nach Regen aussah, dachte ich, ein Museum ist ganz gut für den Anfang. Also lief ich Richtung Kelvongrove-Museum.
Kelvingrove Museum (und ja: plötzlich schien auch wieder die Sonne und Jacke und Schal waren eine unnütze Last)

Ein riesiges Gebäude mit zahlreichen Ausstellungen und Abteilungen (daher auch das Foto "Den Tod überdauern auf die klassisch-ägyptische Art"). Es geht von Dinosauriern, über Möbel von Macintosh (zu dem später), über die ersten Menschen in Schottland bis hin zu einer echten Mumie und natürlich dem Souvenirshop. Zur Zeit befindet sich dort eine Exhibition zum Thema ACDC, ich war aber nicht drin (obwohl kostenlos), so ein grosser ACDC-Fan bin ich nun auch wieder nicht. Tja, wer jetzt erwartet hat, eine ACDC-Biographie zu hören, den muss ich enttäuschen. Und leider folgt noch eine Enttäuschung: der Reiseführer hatte mir den Souvenirshop so schmackhaft gemacht, aber die guten Sachen waren wohl alle schon weg... auf jeden Fall sollte es dort nämlich von so typischen Dingen wie einem Macintosh-Design-Becher und -Kulli abgesehen auch polierten, versteinerten Dinosauerierkot geben!!!! Überlegt mal. Was für ein Mitbringsel!!!! Hätte ich mir sehr gerne auf meinen Schreibtisch auf Arbeit gestellt und bei euch allen in der Wohnung gesehen. Man kann nicht alles haben.

Im Museum selbst fand ich es allerdings etwas viel auf einmal. An manchen Stellen zwar doch recht beeindruckend, im Grossen und Ganzen allerdings sehr unübersichtlich und zusammengewürfelt (wie die ganze Stadt, was dann natürlich wieder gepasst hat). Dadurch dass der Eintritt frei war (worüber ich mich ganz sicher nicht beschweren will), gab es auch kein Personal dass einen Beraten konnte, wo man am besten starten sollte oder ob es überhaupt einen Start gibt. Ich hab mich dann so durchgewurschtelt.




Tiere aus der Savanne und ein Flugzeug aus dem 2. Weltkrieg. Aha
Weil die Sonne dann so schön schien, bin ich im Nachhinein etwas durch den ältesten öffentlichen Park Europas (im 15. Jahrhundert ein Geschenk des schottischen König James II. an seine Untertanen - sehr nobel)  geschlendert und habe Eichhörnchen beobachtet. Dabei wäre ich fast mit einem Hund zusammengestoßen der seinen Kopf nur nach rechts und links bewegte und mich erst in letzter Sekunde wahrnahm. Wir erschreckten uns dann beide etwas. Sein Herrchen meinte dann noch freundlich lächelnd "Keine Angst, der jagt nur nach Eichhörnchen". Zuerst wollte ich ihm noch einen Tipp geben, denn ich hatte gerade drei von den Tieren hinter mir gelassen und das eine hatte mich irgendwie bedrohlich angestarrt. Aber dann hab ich's doch gelassen. Bin halt ein Tierfreund. Obwohl ich dadurch dem Hund seinen Spaß genommen habe. Ich bin ein schlechter Mensch. Wahrscheinlich hätten die Eichhörnchen auch Spaß daran gehabt vor dem Hund wegzulaufen, dann schnell auf den Baum zu huschen und ihn mit Eicheln und Kastanien zu bewerfen. Jetzt kann ich heute bestimmt nicht schlafen. Vielen Dank.

Na, langsam aber sicher, bin ich dann an der Universität (Verzeihung, einer der vier Universitäten der Stadt) vorbeigelaufen und hab mir noch das Haus von diesem wunderbar begabten Designergenies und seiner ebenfalls sehr talentierten Frau angesehen. Die beiden werden hier auf das äußerste verehrt (im Gegensatz zu Edinburgh die einzigen berühmten Leute... aber nein, es gibt ja noch U2 und Belle & Sebastian! Ich nehm alles zurück), obwohl sie zu Lebzeiten vekante Genies waren. Alle Möbel sind von den beiden Entworfen worden. Zum Anschauen auf jeden Fall ganz hübsch und den einen Sessel hätte ich auch gern gehabt, aber in so einem Haus wohnen? Nee. Dafür war das alles viel zu steril.
In dem Haus durfte man auch leider keine Fotos machen. Sonst hätte ich euch das jetzt gezeigt. Wenn ihr euch aber noch einen Monat gedulden könnt, dann zeig ich euch, wenn ich wieder in Berlin bin die Broschüre. Ist fast genauso gut. Und auf deutsch. :)

Von dort aus bin ich dann in den Tourbus gestiegen und habe mir die Stadt von oben angeguckt und erklären lassen. Wenn ich mir nämlich überlegt hätte, den ganzen Weg wieder zurücklaufen zu müssen und vielleicht nicht einmal nicht mehr zu wissen wo hin und wo lang. Nein Danke.
So hab ich dann auch noch ein bisschen mehr gesehen und erfahren, dass die Absperrung in der Innenstadt nicht von einer Bombendrohung errürhte, sondern von Hollywood! Richtig. Da staunt ihr (wer ist jetzt neidisch?). An dem Tag waren nämlich auch Hugh Grant und Halle Berry in der Stadt. Oh ja. Und sie haben Glasgow irgendwie für Phildelphia ausgeben wollen, oder so. Die Spinnen, die Hollywoodler. Das war aber nicht meine letzte Begegnung mit Hollywood in den letzten zwei Wochen...

Die Stimme der Bustour-Frau war ziemlich anstrengend und darum entschloss ich mich, noch einmal auszusteigen und auf den nächsten Bus zu warten, der mit einem etwas angenehmeren Erzähler besetzt war (hoffte ich und wurde auch nicht enttäuscht).
An der Glasgow-Kathedrale bin ich vom Bus gehopst und befand mich sogleich in der Necropolis, die Gräbergroßstadt für die Toten der Großstadt. Da war ich aber dann doch nicht so lange wie manch anderer vielleicht (haha). Ich bin in die Kathedrale gehuscht und die war wirklich beeindruckend. Unglaublich schöne Buntglasfenster. Wirklich sehr hübsch. Mich störten aber die ganzen Touris mit ihren Fotoapperaten und ihren ständigen Blitzen. Darum hab ich meinen demonstrativ in der Tasche gelassen. Ich glaub nur, dass das keinen großen Eindruck auf die anderen gemacht hat. Wenn es einer bemerkt hat, dann hat er sicher nur mitleidig gedacht, dass wohl der Akku meiner Kamera leer ist. So sieht's aus. Traurig aber wahr.
Nachdem auch diese Sehenswürdigkeit abgearbeitet war, bin ich wieder auf den (letzten -puh) Bus gesprungen und habe die Tour durch die Stadt vollendet. Es wurde dann auch schon etwas dunkel und ich hungrig. Zum Abschluss dieses gelungenen Tages war ich beim Italiener und dann ging es wieder nach Hause.

Von Edinburgh nach Glasgow braucht man übrigens nur eine Stunde und wenn man früh genug bucht kostet die Fahrt auch nur 1GBP. Ich war leider etwas spät dran und musste ganze 6 GBP hinblättern. Voll die Abzocke (hehe). :)

Tja. Das war der Sonntag vor zwei Wochen... also der... 18. September....
(als ich gerade auf den Kalender guckte, hab ich noch einen Blick auf das Wetter erhascht... so eine... heute Sonnenschein und 25° und morgen wieder Regen und nur 16°. Unfassbar. Nur gut, dass ich morgen arbeiten muss. Wenn ich es mir recht überlege eigentlich auch ganz gut so. Dann find ich das nicht so schade, dort in der Bibliothek eingesperrt zu sein)

OMG

Dann muss ich nun wirklich zwei volle Wochen nachholen? Ungeheuerlich. Da sollte ich keine Zeit verlieren. Beklagen muss ich mich aber trotzdem vorab: es kann doch nicht sein, dass der schöne Schokopudding bei mir schlecht wird! So was ist mit glaub ich noch nie passiert und zeigt, dass dieses Praktikum seine Spuren an mir hinterlässt. Es hat jedoch auch seine guten Seiten. Ich habe ein "Rezept erfunden". Ich setze das in Gänsefüsschen weil es, denke ich, eigentlich keine richtige Mahlzeit ist, aber man wird wahnsinnig satt von und man braucht danach auch keinen Schokopudding mehr. Jetzt seit ihr sicher alle gespannt was das ist, aber ich sag's nicht. Es wäre zu peinlich wenn ich euch erzählen würde, dass ich eine Dose Spaghetti-Ringe aufmachen, Hähnchenbruststreifen rein schnippel und das ganze mit 1 (ganzen) Packung Streukäse andicke.

Darum schnell ein Themenwechsel:

Arbeit läuft ganz gut. Abgesehen von dem Ausflug in die Rare-Books-Abteilung war ich nun auch im Printroom, wo es riesige Kameras zu bestaunen gibt, welche dazu dienen, die uralten Bücher sorgsam abzufotografieren. Hier werden auch Flyer und Poster für Ausstellungen entworfen und gedruckt. Als nächstes war ich dann bei den Restaurationsleuten, die sich darum kümmern, dass Ausstellungsstücke ordentlich gestärkt sind um den vielen Menschenaugen standzuhalten, aber auch wenn zum Beispiel ihre Rücken gebrochen sind, kommen die kleinen Schätze hierhin und werden aufs Beste versorgt.
Die letzten beiden Wochen haben Almut und ich  uns hauptsächlich mit dem morgigen Tag beschäftigt. Heute haben wir den Ausstellungsraum gestaltet bzw. die Ausstellungskästen gefüllt. Man glaubt es kaum, aber das hat neun Stunden gedauert und so konnte ich mir keine neuen Schuhe kaufen (die meisten Schuhläden haben heute schon um 18 Uhr zugemacht), die ich unbedingt brauche, denn auch meine Turnschuhe haben nun das zeitliche gesegnet und dienen allenfalls noch als Flipflops. Tja. Schottland ist ein teures Pflaster, alle Nase lang muss man sich neue Schuhe gönnen. Schon letzte Woche gingen meine anderen Schuhe kaputt. Ein Fluch lastet auf meinen Füßen. Fast ein bisschen gruselig.

Auf morgen bin ich aber wirklich gespannt. Nächste Woche muss dann noch das Konzert vorbereitet werden und dann werde ich wohl mehr und mehr in der Weltgeschichte rumgurken um mir ganz viele unterschiedliche Bibliotheken und Archive anzuschauen (unter anderem die BBC-Schottland-Bibliothek und das schottische Filmarchiv). Ihr könnt schon gespannt sein. Ich bin es auf jeden Fall.

Achja. Und ich habe richtige Katalogaufnahmen gemacht. Die wurden nicht einmal kontrolliert. Tja. Solches Vertrauen haben die dort in mich! Oh Gott.
Es waren übrigens keine Bücher, die ich in das DOD  (Digital Object Database - die Objekte, Bilder, Bücher werden im Reprographic-Raum  danach mit einer dieser Hightech-Kameras fotografiert und in die DOD-Aufnahme eingeschleust) aufgenommen hab. Ein Bild von der heimlichen - später offiziellen- Liebe Berlioz (hab ich davon nicht schon einmal geschrieben?), eine Fotografie eines alten Herren, der eine Konzerthalle besaß und dort viele Berlioz-Konzerte gab und einen Cheque zugunsten Berlioz. Das kommt mir alles so bekannt vor. Ich habe bestimmt vorher schon einmal von diesen Dingen geschrieben. Tja. Nun könntet ihr so auch im Internet ansehen, doch ich denke, sie müssen erst noch verlinkt werden. Ich werde das für euch recherchieren (bin eine gute FaMI!) und bei Gelegenheit bescheid geben, wo ihr mein Werk bestaunen könnt.

Nun kommen wir aber wieder zu den schönen Dingen des Lebens: den Wochenenden und dem Besuch meiner Svenni.

Mittwoch, 28. September 2011

Die Umstaende sind schwierig

Nun denken sicher einige von euch ich waere nachlassig, haette keine Lust mehr. Dem ist aber nicht so. Nur, auf Arbeit ist es meist schwieirg die Zeit zu finden mit voller Hingabe (mit weniger wollen wir hier gar nicht erst anfangen) einen neuen Post in den PC zu haemmern. Zumal ich hier auch keinen Zugriff auf meine liebevoll geknipsten Bilder habe. Nur, und jetzt kommt das Problem: Daheim ist zur Zeit Internet-freie-Zone. Irgendwas stimmt da nicht. Niemand weiss was. Tja. Und so lebe ich nun abgekapselt von der Aussenwelt. :)

Schnell muss ich euch aber noch von meinem Morgen berichten:
Als ich aufstand ging gerade die Sonne auf und da mein Zimmer und auch mein Fenster (jaha, auch sowas habe ich) gen Osten liegen und die Sonne wie es scheint am liebsten im Osten aufgeht, war es ein wunderschoener Anblick. Hellblauer Himmel, ein paar kleine Woelkchen, die von der Sonne in einem schoenen Rosa (es gibt auch nicht so schoene Rosa-Toene) angestrahlt wurden.
Heute war auch einmal kein Wind und der Wetterbericht sagt ohnehin fuer die naechsten Tage bis zu 20 Grad und Sonnenschein voraus.
Vor der Haustuer stehen ein paar Baeume und als ich die Haustuer oeffnete zwitscherte ein Vogel sein Lied. Oben am nun wolkenlosen Himmel flogen die Wildgaense dahin und auf der Wiese (ueber die ich morgens immer Laufe, ist eine "Abkuerzung") sassen bestimmt hundert Moewen, die auflogen als ich durch ihre "Herde" hindurchschritt. Es wirkte wie in einem Bilderbuch. Das ist hier so ueblich. Die Kinder alle brav, jeder raeumt seinem Hund hinterher, alle sind hoeflich, selbst wenn sie betrunken sind, und abends gehen Paerchen am Strand mit ihren Hunden spazieren, sammeln Muscheln und auf dem hiesigen Sportplatz vor dem Haus wird Fussball, Rugby und Golf gespielt. Manchmal ist diese Idylle kaum zu ertragen. Meistens muss ich dann aber einfach nur lachen.

So. Nun, liebe Freunde, frisch ans Werk. Der Tag ist jung und ich habe meine Muedigkeit momentan ganz gut im Griff. Ist ja auch bald schon wieder Teepause. Hehe

In der groessten Hoffnung, dass ich bald wieder von mir hoeren lassen kann und ihr mich nicht vergesst, verbleibe ich mit der vorzueglichsten Hochachtung,

Eure Rike