Jetzt ist schon wieder eine ganze Woche rum und ich hab tatsächlich nichts mehr von meinem erlebnisreichen Aufstieg zum Arthur's Seat verlauten lassen. Schämen sollte ich mich.
Aber im Grossen und Ganzen kann man eigentlich nur sagen (- und, aufgepasst, jetzt kommt's!): es war windig! Ich kann nur von Glück sagen, dass der Wind von... äh... Osten?... kam und ich dadurch mehr an den Berg gedrückt wurde. Wenn es andersrum gewesen wäre, hätte mich der Abgrund womöglich verschlungen. Des öfteren hab ich das Gleichgewicht (beinahe) verloren.
Wenn man mit dem Bus bis zum Arthur's Seat fährt, dann kommt man beim Schottischen Parlament an. Auf meiner Bustour (an meinem ersten Tag hier, ihr erinnert euch?) hat der Typ, der sich angehört wie Loriot - echt wahr- mir durch Kopfhörer ins Ohr geflüstert, dass viele Schotten das als geeigneten Standort sehen, weil dort nämlich früher eine Whisky-Brauerei stand. Hihi.
Entworfen hat das ein gewisser Enric Miralles!
Mein DuMont-Reiseführer empfahl mir, mich bei den Wanderwegen links zu halten. Aber das sah so viel weiter aus auf der Karte. Also bin ich rechts lang. Es vermittelt den Anschein, dass man gleich auf die Spitze zusteuert, es geht gleich steil nach oben. Aber denkste. Von dort kommt man nur zur "Aussichtsplattform", ein kleinerer Hügel, der einen schönen Blick über die Stadt bietet. Dummerweise ging der Weg, den ich einschlug zwar erst ganz schön hoch, dann jedoch gleich wieder hinunter (wirklich wieder ganz runter - die erste Anstrengung war vollkommen umsonst) um dann zum Arthur's Seat hochzuführen. Über so eine Art Felsenstufen, die nicht besonders gleichmäßig angeordnet waren und ich mein Knie manchmal bis zum Kinn hochziehen musste um einen Fuss auf die nächste "Stufe" zu setzen. Hab ich vielleicht geschnauft. Zeitweilig dachte ich auch, ich wäre falsch, weil niemand ausser mir in Sichtweite war. Doch ab und zu tauchten ein paar Läufer auf, die die Stufen einfach nur so runtersprangen (die sind den Weg natürlich runtergelaufen, nicht hoch. Wer ist denn auch so blöd???). Oben auf dem Berg gibt es dann keine wirklichen Wege mehr. Es ist alles Gras oder Fels und man muss sich, an rausstehende Felsen geklammert, seinen Weg auf die Spitze suche. Dachte ich.
Und dann war ich oben. Die Aussicht war wunderschön. Leider hat es in dem Moment geregnet und es sah auch danach aus, als würde noch mehr kommen...
Es war wirklich sehr schön. Bis ich dann mit einigem Ärger feststellen musste, dass es von der anderen Seite her viiiiel viiiiiel leichter ist hoch zu kommen. Der Weg ist nicht so steil. Keine "Treppen". Nur grünes Gras und Trampelpfade. Um auf den "Gipfel" zu kommen, gibt es für die Touristen sogar ein Geländer. Ja herrlich. Hätte ich mal auf den Reiseführer gehört. Na, dafür hab ich aber ein kleines Abenteuer gehabt und den Berg in einer Stunde bezwungen wo das schlaue Buch zwei angesetzt hatte. So konnte ich mir beim Abstieg etwas mehr Zeit lassen und die Natur genießen. Einem Hasen und einem Fuchs bin ich begegnet (zu unterschiedlichen Zeiten. Der Hase wurde nicht - zumindest als ich da war- vom Fuchs verfolgt oder gefressen, aber ich hab Donnerstag Morgen eine Krähe gesehen, dich sich einen Hasen zum Frühstück hat überfahren lassen). Von dem Hauptweg bzw. der breiten Wiesenfläche ging noch einmal ein kleiner Weg durch Hecken entlang. Also bin ich ihm gefolgt. War ja noch genug Zeit, bis der Bus mich zurück fahren sollte. Raus gekommen bin ich dann bei einer kleinen Ruine, früher mal eine Kapelle. Sehr romantisch, denn sie blickt auf einen kleinen See hinunter, der von Schwänen bevölkert ist. Und es waren wirklich viele. Plus Möwen und Enten und ein paar Tauben, die auf Futter warteten. Ich hatte nichts bei mir.
Wirklich sehr schön.
Nur dummerweise hab ich durch diesen schönen, fesselnden Anblick ganz vergessen, dass der Bus ja nicht wartet. Demnach hab ich ihn verpasst und musste zu Fuss in die Stadt zurück laufen. Es ist nicht so weit, aber wenn man schon drei Stunden auf den Beinen ist, kann es schon etwas ermüdend sein. Es war auch plötzlich wieder ein ganz seltsames Gefühl auf Asphalt zu gehen. Das Gras hat mir besser gefallen. :)
Nun ja. Das war also letztes Wochenende.
Regards,
Rike
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