Sonntag, 4. September 2011

Stadtrundfahrt x2

Der erste Tag ist rum.

Heute bin ich ziemlich viel losgeworden, vor allem Geld. Die erste Miete ist bezahlt und ich hab jetzt auch eine coolen Ausweis für den Bus:


Das Foto ist ganz frisch. Man muss sich einfach an eine Wand stellen und schon wird man auf Bild gebannt. Ich glaub dass ganze hat fünf Minuten gedauert. Dann hatte ich meine Karte und war um 99 GBP leichter.  Die Buskarten-Frau hat mich nicht gefragt, ob ich das Foto akzeptiere. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich bestimmt noch eins gemacht. Aber nun denn. Besser als das erste auf jeden Fall... da hatte ich die Augen so halb geschlossen.


Und was ging heute noch so ab?

Wo fang ich an. Am Besten der Reihe nach:
Nachdem ich mich endlich heute morgen aus der schönen rosa Bettwäsche gepellt hatte, bin ich erstmal meinen Arbeitsweg lang gelaufen. Na gut, teilweise (um ehrlich zu sein, den meisten Teil) bin ich auch mit dem Bus gefahren. Da stand ich nun vor meinem Arbeitsplatz und hab mich wieder nicht rein getraut. Ich hoffe morgen schaff ich's.
Es kann für das Praktikum nur von Vorteil sein.

Also bin ich weiter. Vorbei an Harry Potters Geburtsort (sieht ganz nett aus, aber irgendwie hatte ich mir das mysteriöser vorgestellt. Aber man darf nicht vergessen, das die gute Joanne damals arbeitslos war), dem Greyfriars Bobby (ein Terrier, der 2 Jahre alt war, als sein Herrchen gestorben ist und 14 Jahre, bis er selbst das Zeitliche segnete, bei  seinem Grab wache hielt - ich glaub daher kommt dieser komische Hundefilm mit Richard Gere) und dann zum Grassmarket, wo früher der Viehmarkt war und sich der älteste Pub Edinburghs befindet. Schon William Wallace ( der echte "Braveheart", nicht Mel Gibson. Ha) hat da seinen Haggis verschlungen. Da geh ich bestimmt auch noch mal rein (einmal war ich schon, aber da wusste ich noch nicht, wer William Wallace ist, darum zählt das nicht).
Dann bin ich zum Castle hochgeschnauft. Der Aufstieg heißt "Grannys' Green Steps", aber wenn ich eine Oma wäre, würde ich da ganz sicher nicht lang laufen. O nein.
Meinen Lunch hab ich mir in so einer Imbussbude geholt, einen Hotdog. Bei uns heißt das Ketwurst, aber ich wollte sie nicht auf den Fehler aufmerksam machen. Die haben sich bestimmt was dabei gedacht. Die Spinnen, die Briten (hat schon Obelix gewusst).

Ihr dürft nun alle mal über mich lachen:
Ich hab da den ersten hübschen Schotten getroffen. Aber - jetzt kommt's: keine roten Haare. Dennoch sehr schön anzusehen. :) Der Hotdog war dann auch gar nicht so schlecht. Da geh ich jetzt öfter hin. ;) Blöd nur dass ich nicht essen kann und mir gleich den Ketchup auf die Jacke gehauen hab. Keine Angst, man sieht's (fast) gar nicht. Nur wenn man's weiß.

Nach dem ganzen Stress hab ich mich auf eine Bank in den Princess Street Gardens gesetzt. In Groß Britannien haben die so eine hübsche Tradition entwickelt, kleine Gedenktafeln an den Bänken anzubringen, wo die Personen gerne gesessen haben oder auch einfach nur so. Und so kam es dass ich mir instinktiv die beste Bank ausgesucht hab:

Ich glaub nicht, dass er da wirklich gesessen hat. Aber ich!
Als krönenden Abschluss hab ich mir eine Stadtrundfahrt auf deutsch gegönnt und so erfahren, dass hier sooo viele bekannte Leute gelebt haben. Zum einen James M. Barrie (Peter Pan) und dann auch Robert L. Stevenson (Schatzinsel), Daniel Defoe (Robinson Crusoe) und Robert Burns (der Nationalpoet der Schotten schlechthin). Das zu den Schriftstellern. Es gibt da aber zum Beispiel noch Adam Smith ("Der Wohlstand der Nation" - Sozialökonom. Den hatte ich auch in der Schule) oder Alexander Graham Bell, der das Telefon erfunden hat.
Ich bin auch am Edinburgh College of Art lang gefahren, wo einst Sean Connery als Aktmodell seine Karriere begann. Grr.
Mit dem Bus sind wir auch an einem Brautpaar vorbei gefahren. Wirklich sehr schön. Der Bräutigam trug - natürlich - einen Kilt. Überhaupt habe ich ziemlich viele junge Männer mit Kilt gesehen. Aber wahrscheinlich gehörten sie zu der Hochzeitsgesellschaft, denn die jeweiligen Partnerinnen waren mit sehr feinen Hüten und eleganten Kleidern bestückt.

Dann wollte ich eigentlich nur noch nach Hause. Nur das heute Abend in Edinburgh eine Veranstaltung den Verkehr lahm gelegt hat und deswegen alle Busse umgeleitet wurden. Bis ich meine neue Haltestellte gefunden hatte, war schon wieder ein ganz schönes Stückchen Zeit vergangen. Dafür konnte ich noch eine echt britische Warteschlange beobachten, die es sich mit Camping-Stühlen und Tee vor dem Park (wo das Konzert "Music of Fire and Air" statt fand) niedergelassen hatten.

Als mein Bus dann endlich kam, war ich ziemlich schockiert, weil er einfach an mir vorbei gefahren ist! Unglaublich. Also bin ich in den nächsten rein an dem Musselburgh (ein Vorort von Edinburgh und mein abendliches Ziel). Als ich den  Busfahrer fragte ob er da und da hinfährt hat er nur mit den Schultern gezuckt und "sorry" gesagt. Ich bin trotzdem sitzen geblieben und hatte am Ende schon angst, dass es der falsche war, denn der Bus fuhr einen sehr großen Bogen um die Stadt durch irgendwelche kleinen Straßen, die total ausgestorben waren und bog um Ecken, an denen er fast stecken blieb.
Das war also meine zweite Stadtrundfahrt.
Zu guter Letzt bin ich dann wieder Daheim gelandet und hab mich noch etwas mit meinem "Mitebwohner" Kemal unterhalten.

So viele Informationen. Das ist ganz schön viel für einen Post. Aber wenn ich erstmal im Arbeitsalltag angekommen bin, wird das wohl auch weniger. Ob das gut oder schlecht ist, werden wir dann sehen. Ich geh jetzt auf jeden Fall schlafen. Muss ja fit sein für morgen. Ogottogottogott


Best wishes,
Rike

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